Startseite › MERSI bei den Lesbisch Schwulen Filmtagen: Intersex- und Ugandaprogramm

MERSI Hamburg präsentierte bei den 21. Lesbisch Schwulen Filmtagen Hamburg drei Programme zum Thema Homosexualität in Afrika und zum Thema Intersex. Zu beiden Themen gab es ausserdem zwei interessante, von MERSI Hamburg unterstützte Diskussionsrunden im Anschluss an die Filme. An einem eigenen Stand konnten sich die Besucher der Programme direkt im Kino über die Arbeit von MERSI informieren, an aktuellen Aktionen teilnehmen sowie spenden.
Kuchus of Uganda (Freitag, 22.10., 20 Uhr, Polittbüro),
Dokumentation und anschließend Gesprächsrunde auf dem Talksofa u.a. mit der Afrika-Expertin Henriette Gunkel.
Kuchus bedeutet "gleich" und ist eigentlich ein kenianisches Wort. In Uganda ist Kuchus Selbstbezeichnung und Chiffre der LGBTs, die erlaubt, in der Öffentlichkeit über queere Themen zu sprechen. Denn Vorsicht ist geboten: Die knapp zwei Meter hohe Mauer rund um das Büro von SMUG (Sexual Minorities Uganda) ist immer noch zu niedrig, um Schutz vor Angriffen, auch von Seiten der Polizei, zu garantieren. Selbst die Debatte mit Studierenden der Medizin droht zu eskalieren, als die LGBT-Aktivist_innen sich nicht mit Zitaten aus der Bibel abspeisen lassen, sondern mit Verweisen auf präkoloniale Existenz gleichgeschlechtlich Liebender Argumente austauschen wollen: "Sie hätten uns vielleicht sogar umgebracht oder verletzt, wenn wir nur eine halbe Stunde länger geblieben wären." Inzwischen hat sich die Situation in Uganda durch die Todesstrafe verschärft. So ist "The Kuchus of Uganda" eine Dokumentation, die nicht nur durch die beschriebenen Umstände schockiert, sondern zudem inzwischen absurderweise ein Zeugnis aus besseren Tagen ist. Der Film hat den diesjährigen Derek Oyston CHE Film Award des London Lesbian & Gay Film Festivals erhalten.
Nach dem Film kam Henriette Gunkel von der Fort Hare Universität Südafrika auf Einladung von Amnesty International MERSI Hamburg zum Talksofa.
Der Anstoß für den Intersex-Fokus bei den 21. Lesbisch Schwulen Filmtagen Hamburg ging von MERSI Hamburg aus. Auf unsere Initiative hin wird sich die deutsche Sektion von Amnesty für die Menschenrechte von Intersexuellen auf internationaler Ebene einsetzen. Es gab zwei Programme:
El último verano de la Boyita – The Last Summer of la Boyita (Mittwoch, 20.10., 20:15 Uhr, Metropolis-Kino),
Spielfilm
Nach diesem Sommer auf dem Land wird für Jorgelina nichts mehr so sein, wie es einmal war. Ihre ältere Schwester steckt mitten in der Pubertät und interessiert sich mehr für Push-up-BHs als für geschwisterliche Innigkeit. Doch auch Mario, Jorgelinas Freund, der als Helfer auf einer Pferderanch arbeitet, macht entscheidende Veränderungen durch. In Jorgelina findet Mario auf gemeinsamen Ausritten eine Vertraute und Gesprächspartnerin. Den Blutfleck auf seinem Sattel und zwischen seinen Hosenbeinen versucht er mit einer Lüge zu erklären, doch bald muss er sich und Jorgelina eingestehen, dass mit ihm etwas nicht zu stimmen scheint: Sein Körper sieht nicht so aus wie in den medizinischen Lehrbüchern von Jorgelinas Vater. Die argentinische Filmemacherin Julia Solomonoff erzählt mit sonnendurchfluteten Bildern von einem Sommer voller Geheimnisse, in dem auf vielfältige Weise die drei jungen Hauptfiguren erste Erfahrungen mit ihrer erwachenden Sexualität machen. Vor allem aber gelingt ihr ein sensibles Porträt eines heranwachsenden Intersexuellen, das Lucía Puenzos "XXY" in nichts nachsteht.
One in 2000 (Samstag, 23.10., 17:45 Uhr, Kino Passage 2), Kurzdoku „One in 2000“, Kurzdoku „Gender Trouble“, anschließend Gespräch mit Lucie Veith von Intersexuelle Menschen e.V.
Von 2.000 Kindern wird eines mit nicht eindeutig weiblichen oder männlichen Geschlechtsorganen geboren. In "One in 2000" erzählen Menschen, wie sie von ihrer Intersexualität erfahren haben - manche schon früh, andere erst mit 30 Jahren. Einige haben als Kinder schmerzhafte Operationen über sich ergehen lassen müssen. Anderen blieb dieses Schicksal erspart. Neben "Betroffenen" kommen auch Eltern zu Wort und erzählen, wie sie mit dem Anderssein ihres Kindes umgehen. Abwechslungsreich und angenehm locker werden die verschiedensten Facetten der "Diagnose Intersexualität" dargestellt. Dabei stehen immer die Menschen und ihre Gefühle, nicht die Medizin im Mittelpunkt.
Zur Website der Lesbisch Schwulen Filmtage Hamburg
Zur Website von Intersexuelle Menschen e.V.